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Forschungsbereiche

Translation aus kulturwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive

Die kultur- und sozialwissenschaftliche Translationsforschung geht davon aus, dass Translation in der Konstruktion von Kulturen eine zentrale Rolle spielt. Forschungsfragen nehmen sowohl die in den Translationsprozess involvierten AkteurInnen in den Blick, die als konstruierende und konstruierte Subjekte der Gesellschaft konzeptualisiert werden, als auch den Themenkomplex der kulturellen Differenz und die Machtbeziehungen, die Translationskultur und translatorische Praktiken konturieren. Die Bearbeitung dieser Forschungsfelder erfolgt gegenwartsbezogen sowie in historischer Perspektive auf Grundlage soziologischer und kultur­wissenschaftlicher Theorien mit dem Ziel der translationswissenschaftlichen Theoriebildung. Empirisch wird mit Übersetzungsströmen, Netzwerkanalysen, anderen gängigen Methoden der qualitativen Forschung gearbeitet; in historischen Kontexten werden Archivmaterialien und Artefakte quellenkritisch untersucht. Ein solch interdisziplinär ausgerichteter theoretischer und methodischer Ansatz bedarf einer fortdauernden Auseinandersetzung mit dem Begriff „Translation“, insbesondere jenem, der in anderen Disziplinen unter dem Schlagwort „kulturelle Übersetzung“ subsumiert wird, jedoch eine detaillierte und differenzierte Konzeptualisierung im translatorischen und translationswissenschaftlichen Kontext erfordert. Im Fokus steht des Weiteren die Weiterentwicklung sozial- und kulturwissenschaftlicher Methoden für die Bearbeitung translations­wissen­schaftlicher Fragestellungen, und die selbstreflexive Erforschung der Geschichte der Translationswissenschaft.

Forschungsfelder

  • Translationsgeschichte (wie etwa Translationskultur in der Habsburgermonarchie, Holocaust und Translation, Translation in militärischen Settings, in totalitären Regimen, Funktionen von Translation im wissenschaftlichen Feld),

  • feministische Translation,

  • Mehrsprachigkeit gegenwärtiger und vergangener Gesellschaften,

  • arbeits- und lebensweltliche Verortung von TranslatorInnen,

  • translationsrelevante Migrations- und Exilforschung,

  • Translation in der Wissenschaft,

  • Translation und Aktivismus,

  • „Non-professional translating“

Translation, Migration und Minderheiten

Translation spielt eine zentrale Rolle bei der Begegnung von Mehrheiten und Minderheiten, die oftmals in verschiedenen sprachlichen, sozialen und kulturellen Welten leben. Wesentliche Merkmale der Forschung im Forschungsbereich Translation, Migration und Minderheiten sind ihre Orientierung an aktuellen gesellschaftlichen Problemfeldern, ihr emanzipatorischer Charakter und ein ausgewiesener gesellschaftspolitischer Anspruch, der auch darauf abzielt, wissenschaftliche Ergebnisse in die Praxis umzusetzen.

Im Fokus der Forschung stehen die vielfältigen Phänomene der Translation für bzw. durch Flüchtlinge, MigrantInnen und Gehörlose innerhalb und außerhalb des etablierten Marktes, die vom Kommunaldolmetschen über technologisch vermittelte Interaktion bis zu hybriden translatorischen Phänomenen reichen. Untersucht werden sowohl aktuelle als auch historische Handlungsbedingungen und Interaktionskonstellationen, die von asymmetrischen Machtverhältnissen sowie politischen, ideologischen, sozialen und kulturellen Barrieren geprägt sind.

Im Zentrum der Betrachtung stehen dabei die am Translationsprozess beteiligten AkteurInnen, die, eingebettet in kulturelle Welten und soziale Strukturen, durch ihre Erfahrungen sowie individuelle und kollektive Bedeutungszuschreibungen Translationsprozesse in vielfältiger Weise beeinflussen. Untersucht werden neben konkreten Interaktionssituationen daher vor allem die Dynamik der Selbst- und Fremdkonstruktionen der professionell, habitualisiert oder ad hoc tätigen TranslatorInnen sowie Prozesse zur Verberuflichung und Professionalisierung translatorischer Tätigkeiten.

Die Forschung in diesem Forschungsbereich ist gekennzeichnet durch enge Kooperationen mit außeruniversitären Institutionen wie Behörden, NGOs, zwischenstaatlichen Organisationen und Interessensvertretungen. Die Ziele der angewandten Forschung liegen in der Sensibilisierung für die komplexen sozialen und kulturellen Zusammenhänge von Migration bzw. Minderheiten und Translation, in der Umsetzung von Forschungsergebnissen zur Entwicklung von Curricula und Lehrmaterialien, in der Erarbeitung von Modellen zur Gestaltung der Rahmenbedingungen, in denen Translation stattfindet, und im Aufzeigen von Möglichkeiten zur Ausweitung der Handlungsspielräume der beteiligten AkteurInnen.

An den Forschungsbereich angegliedert ist die AG Kommunaldolmetschen, die sich als Schnittstelle zwischen Forschung, Lehre und Praxis versteht. Der Forschungsschwerpunkt ist dem gesamtuniversitären Forschungsschwerpunkt Heterogenität und Kohäsion zugeordnet.

Künftiger Fachbereich 3 – Translation: Kooperation und neue Technologien (Arbeitstitel)

2017 nahm Univ.-Prof. Dr. Hanna Risku einen Ruf an die Universität Wien an, womit die für den bisherigen Forschungsbereich 3 "Translation: Kognition und Kooperation" zentrale Professur vakant wurde.

Das Institut hat sich in der Folge mit dem Ziel einer klaren Profilbildung für den Standort Graz für eine konzeptionelle Neuausrichtung des Forschungsbereichs 3 entschieden, um Themenbereiche in Forschung und Lehre einzuführen, die neuste Tendenzen und Entwicklungen im Bereich der Translation widerspiegeln.

Der neue Fachbereich wird sich der Translation unter den Bedingungen rezenter Entwicklungen im Kontext moderner Kommunikations- und Translationstechnologien widmen. Im Fokus sollen dabei Phänomene und Praktiken stehen, die über den Bereich professioneller Translation hinausgehen, die traditionelle Translationskonzepte herausfordern und innovative Fragen aufwerfen. Zu nennen sind hier insbesondere drei miteinander verwobene Themenkomplexe:

  • Phänomene wie translation communities, crowd translation oder fan translation mit ihren vielfältigen Formen der Interaktion und Kooperation,
  • das wachsende Spektrum multimodaler Translation, mit den damit verknüpften methodischen Herausforderungen für die Forschung wie auch die translatorische Praxis,
  • eine translationsrelevante Technikfolgenabschätzung und Technologiekritik als besonderes Desideratum gesellschaftsrelevanter Forschung.

    Die Forschungsthemen Terminologiemanagement und Translationsdidaktik, die seit 2011 im Forschungsbereich 3 inkludiert sind, sollen auch weiterhin diesem Forschungsbereich zugeordnet bleiben und sind bei der Neuausrichtung des Forschungsbereichs entsprechend zu berücksichtigen.

    Die Etablierung dieses Forschungsbereichs wird Hauptaufgabe der Stelleninhaberin/des Stelleninhabers der neuen Professur sein, die im Sommer 2018 ausgeschrieben wird.

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